6.11.2026 – Risiko wird in Österreich meist negativ definiert, nur wenige sehen auch die Chancen, so WU-Professorin Bettina Fuhrmann bei der Präsentation der Studie. Beim Wissen über Versicherungen gibt es Aufholbedarf, Kritik gibt es an fehlenden Informationen in der Schule.

Finanzielle Entscheidungen treffen zu können, sei Teil eines selbstbestimmten Lebens, betonte Christian Eltner, Generalsekretär des Versicherungsverbandes (VVO) bei der Präsentation zweier VVO-Studien zum Thema Finanzwissen am Donnerstag.
Seit bereits mehr als 25 Jahren beschäftige sich der VVO auf unterschiedliche Art und Weise mit den Themen Versicherungswissen und Risikobewusstsein; das Thema sei wichtig und habe große gesellschaftliche Relevanz, so Eltner.
In Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für Finanzbildung an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) wurde nun eine qualitative Studie zum Thema Risikokompetenz erstellt. Sie wurde von WU-Professorin Bettina Fuhrmann und Universitätsassistentin Johanna Seeliger präsentiert.
Finanzielle Chancen und Risiken zu erkennen und zu managen, sei ein wesentlicher Teil der Finanzbildung, so Fuhrmann. In der Bevölkerung werde der Begriff „Risiko“ aber oft nur unter einem negativen Aspekt gesehen. Es brauche ein Grundverständnis, dass Risiko auch mit Chancen verbunden ist.
Man habe sich deshalb in der qualitativen Untersuchung in ausführlichen Gesprächen mit dem Risikoverständnis sowie dem Umgang und der Handhabung von Risiken im täglichen Leben beschäftigt. Der Fokus sei dabei auf Versicherungen gelegen, abgefragt wurden auch die Informationsquellen.
Rund die Hälfte der Befragten definiere Risiko eindeutig negativ, so Seeliger. Ein Drittel sehe Risiko neutral, nur wenige sehen positive und negative Aspekte. Die am häufigsten genannten Risiken beträfen Gesundheit, Finanzen und Beruf, auf Nachfrage würden auch Klimawandel, KI sowie politische und wirtschaftliche Entwicklungen genannt.
Was die Einstellung zu Risiken betreffe, gebe es eine leichte Tendenz zur Risikoaversion. Die Mehrheit gehe bewusst mit Risiken um, wobei Risikovermeidung am wichtigsten sei. Manche Teilnehmer seien bereit, Risiken einzugehen, nur wenige dächten an Versicherungen.
Etwas mehr als ein Drittel der Befragten schätzt das eigene Versicherungswissen laut Studie als für eine Privatperson ausreichend ein, sei sich dabei aber oft nicht sicher. Fast zwei Drittel würden sich definitiv nicht ausreichend auskennen, aber häufig anderen Personen vertrauen.
Schwierig scheint der Umgang mit Versicherungsverträgen zu sein: Die Hälfte der Befragten gab an, mindestens schon einmal einen Versicherungsvertrag gelesen zu haben, knapp ein Drittel hat Versicherungsverträge zumindest teilweise gelesen oder überflogen.
Für mehr als zwei Drittel sind Versicherungsverträge allerdings unverständlich und sprachlich überfordernd. Dazu passt auch, dass nur wenig mehr als zehn Prozent sich der gedeckten und ausgeschlossenen Risiken bewusst sind, fast die Hälfte hat nur eine „grobe Idee“ davon.
Und auch was die regelmäßige Überprüfung von Versicherungsverträgen betrifft, dürfte es Luft nach oben geben: Einige würden die Verantwortung dafür bei Versicherungsberatern sehen, einige nur im Anlassfall oder alle paar Jahre Verträge prüfen, andere überhaupt keine Überprüfung vornehmen.
Wichtigste Informationsquellen sind das persönliche Umfeld, Internet und Versicherungsberater. In der Schule seien „Risiko und Versicherungen“ für nahezu alle Befragten kein Thema gewesen, dies werde allerdings als sinnvoll und notwendig erachtet. Kritik gibt es an fehlender Lebensvorbereitung.
Was Wünsche für die Informationsvermittlung betrifft, sieht sich ein Drittel der Studienteilnehmer ausreichend informiert. Verbesserungspotenzial wird vor allem bei der Verständlichkeit der Informationen gesehen.
Weitere Wünsche betreffen unter anderem neutrale Plattformen mit unabhängigen Informationen sowie eine individuelle Beratung: Wichtig seien den Teilnehmern niederschwellige, unabhängige Beratungsangebote.
Ergänzt wurde die Studie durch eine im Auftrag des VVO von Triple M Matzka Markt- und Meinungsforschung durchgeführte quantitative Studie über Risikoverständnis und Financial Literacy, die die Ergebnisse der qualitativen Studie weitgehend bestätigte.
Lesen Sie die Ergebnisse im Beitrag „Warum Finanzwissen für Versicherungen wichtig ist“.
Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.
Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu! Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.at.
Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.at.
Der VersicherungsJournal Newsletter informiert Sie von montags - freitags über alle wichtigen Themen der Branche.
Ihre Vorteile





