6.11.2026 – Die Welt steuere zwar insgesamt auf CO2-Neutralität zu, allerdings weit nicht so schnell, dass die Ziele bis 2050 erreicht werden, analysiert die Allianz. Vielmehr würde es beim jetzigen Tempo bis 2064 dauern. Österreich liegt im Fortschrittsranking der 65 untersuchten Länder auf Rang 19: Der Versicherer attestiert Fortschritte bei Effizienz und E-Mobilität, dem stehe aber ein Rückgang der Stromproduktion durch Erneuerbare gegenüber.

Im Vorfeld der UN-Klimakonferenz, die von 9. bis 20. November im türkischen Antalya stattfindet, hat die Allianz am Donnerstag ihre neue Analyse „Allianz Green Transition Tracker 2026“ veröffentlicht.
Der Tracker bewertet 65 (Vorjahr: 69) Volkswirtschaften, die laut Allianz zusammen 81 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verursachen. Er misst auf einer Skala von 0 bis 100, wie weit sie seit 2015 auf dem Weg zum Netto-Null-Ziel für 2050 gekommen sind.
„In diesem Jahr verbesserten sich 56 Länder um durchschnittlich 2 Punkte“, zieht die Allianz einen Vergleich zur Analyse aus dem Vorjahr. Nur rund ein Drittel sei aber auf einem Kurs, der mit dem Pariser Abkommen – also dem 1,5-Grad-Ziel – vereinbar ist.
Angeführt wird die Tabelle von Luxemburg, Dänemark und Estland. Ihr „Fortschritts-Score“ wird mit 61,21 bzw. 53,61 und 48,92 Punkten angegeben. Auch die restlichen Länder der Top Ten liegen in Europa. Von den Top 30 sind 24 EU-Staaten. Die USA liegen mit einem Score von 18,89 auf Platz 41, China belegt mit 15,58 Platz 43.
„Fast jedes Land bewegt sich in die richtige Richtung. Das Problem ist das Tempo. Bei dem jetzigen Fortschritt wird die Netto-Null erst im Jahr 2064 erreicht werden – 14 Jahre später als geplant“, sagt Patrick Hoffmann, ESG-Ökonom bei Allianz Research.
„Und die klimapolitische Kluft vergrößert sich: Die Spitzenreiter ziehen weiter davon, während die Nachzügler Mühe haben, Schritt zu halten“, fügt Hoffmann hinzu.
Die obere Hälfte der Rangliste legte laut Allianz fast doppelt so stark zu wie die untere (2,6 gegenüber 1,3 Punkten). Die EU führe zwar weiterhin, ihre Emissionen seien 2025 aber nur noch um 0,2 Prozent gesunken. Bei diesem Tempo würde sie ihre Ziele erst 2057 erreichen.
Österreich liegt auf Rang 19. Die Punktzahl stieg um 1,0 auf einen Score von 30,7 – das Plus sei damit aber „deutlich hinter dem globalen Durchschnitt (+2,0) und dem EU-Schnitt (+2,2)“ zurückgeblieben, hält die Allianz fest.
„Österreich macht ermutigende Fortschritte bei der Energieeffizienz und Elektromobilität“, sagt Katharina Utermöhl, Leiterin des Bereichs Thematic and Policy Research bei Allianz Research. Auch die verbrauchsbezogenen Pro-Kopf-Emissionen seien zurückgegangen.
Laut Allianz ist allerdings die Stromproduktion mit Erneuerbaren 2025 um 9,5 Prozent gesunken – obwohl die Solarstromerzeugung um 26,6 Prozent zugelegt habe. Dadurch sei der Anteil CO2-armer Energien am Strommix von 86,2 auf 83,6 Prozent gefallen. Bei diesem Tempo würde Österreich seine Netto-Null-Ziele der Allianz zufolge „erst deutlich nach 2050“ erreichen.
Dieser Rückgang zeige, „dass selbst ein weitgehend klimafreundlicher Strommix nicht vor Rückschlägen gefeit ist“, so Utermöhl. „Der weitere Ausbau erneuerbarer Energien und eine widerstandsfähigere Stromversorgung sind entscheidend, um die Fortschritte auf dem Weg zur Klimaneutralität dauerhaft zu sichern.“
Global betrachtet, überholten 2025 erneuerbare Energien mit einem Anteil von 33,5 Prozent der Produktion die Kohle (33,2 Prozent) als größte Stromquelle der Welt, berichtet die Allianz.
„Sie lieferten zudem 99 Prozent der neu ans Netz gegangenen Strommenge. Das globale Emissionswachstum verlangsamte sich dadurch von 1,5 Prozent auf 0,7 Prozent“, so die Allianz.
„Die CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen könnten in diesem Jahr um 0,5 Prozent sinken, während die Wirtschaft solide wächst, doch das ist eher auf günstige saubere Technologien und teures Öl zurückzuführen als auf eine strengere Klimapolitik“, sagt Ludovic Subran, Chefökonom und Chief Investment Officer bei der Allianz.
„Ein Preisschock ist keine Strategie. Regierungen sollten der Versuchung widerstehen, ihn durch neue Subventionen für fossile Brennstoffe abzufedern, und stattdessen den Wandel durch eine vorhersehbare CO2-Bepreisung und schnellere Investitionen in Netze und Speicherkapazitäten festigen“, ergänzt Subran.
Den Effekten, die den CO2-Ausstoß senken, stehen laut Allianz steigender Strombedarf und Engpässe im Stromnetz als größte kurzfristige Risiken gegenüber – allein KI und Rechenzentren könnten die globalen Emissionen bis 2030 um rund 0,6 Prozent erhöhen.
Zudem, so die Allianz, könnten hohe Finanzierungskosten, Handelsbarrieren und politische Unsicherheit den Einsatz grüner Technologien verlangsamen.
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